com!-Academy-Banner
Fabrikbesichtigung in Texas

Apple in der Klemme zwischen China und Trump

von - 22.11.2019
Apple-Chef Tim Cook und US-Präsident Donald Trump bei einer Fabrikbesichtigung
Foto: Evan Vucci/AP/dpa
Die Aktie von Apple eilt derzeit von einem Allzeithoch zum nächsten. Dabei wirft der Handelskrieg der USA mit China dunkle Wolken auf die Geschäftsaussichten des iPhone-Herstellers. Deshalb schmiedet der liberale Apple-Chef Cook eine ungewöhnliche Allianz.
Für US-Präsident Donald Trump war der Abstecher zur neuen Apple-Fabrik im texanischen Austin eine willkommene Ablenkung vom laufenden Amtsenthebungsverfahren in Washington. Hier konnte er stolz Erfolge seiner Wirtschaftspolitik anpreisen.

"Ich habe immer gesagt, es wird den Tag geben, an dem Apple Fabriken in unserem Land eröffnet und nicht in China. Und dass passiert gerade", sprach Trump in die TV-Kameras. Die neue Apple-Fabrik sei Teil des amerikanischen Traums. "Unserem Land ging es noch nie so gut. Die Arbeitslosigkeit ist so niedrig wie nie zuvor."

Die Arbeitsplätze in der Fertigungshalle des Apple-Dienstleisters Flex in Austin haben allerdings nur in einem bescheidenen Maß zum Aufschwung auf dem US-Arbeitsmarkt beigetragen: Gerade mal gut 500 Jobs sind hier nach Angaben von Apple entstanden, um den neuen Spitzencomputer von Apple zusammenzumontieren.

Bei der Vorstellung des Rechners auf der Entwicklerkonferenz WWDC im vergangenen Juni hatte sich das Apple-Management noch in Schweigen gehüllt, ob die Neuauflage des Mac Pro wie das Vorgängermodell in Texas produziert wird. Vor dem Hintergrund des von US-Präsident Trump angezettelten Handelskriegs mit China hat sich in der Konzernzentrale im kalifornischen Cupertino aber schnell die Erkenntnis durchgesetzt, dass eine Entscheidung gegen Texas großen politischen Ärger auslösen würde.

Die symbolische Entscheidung für den Standort Austin wird wegen der vergleichsweise geringen Stückzahlen des Mac Pro kaum Spuren in der Apple-Bilanz hinterlassen, auch wenn die Produktionskosten in Texas höher sind als in einer asiatischen Fabrik. Um so wichtiger ist die Standortauswahl für den US-Präsidenten, der bei seiner Kampagne zur Wiederwahl im Jahr 2020 immer wieder betont, wie positiv sich die US-Wirtschaft unter seiner Regentschaft entwickelt hat.


Apple-Chef Tim Cook steht nicht im Verdacht, aus eigener politischen Überzeugung heraus dem konservativen US-Präsidenten leichtfertig Punkte im Wahlkampf zuzuschanzen. Cook gilt als liberal und hat in seinem Büro ein Porträt des US-amerikanischen Bürgerrechtlers Martin Luther King Jr. hängen. Als offen homosexuell lebender Mann spricht er oft über die Diskriminierungen, die er als Jugendlicher wegen seiner sexuellen Orientierung erlebt hat. Cook setzt sich auch dafür ein, dass Migranten, die als Kinder in die USA kamen, eine sichere Zukunft in den Vereinigten Staaten haben.

Als Konzernchef von Apple ist Cook allerdings auf den guten Willen des US-Präsidenten angewiesen. Sollten alle angekündigten Strafzölle gegen Produkte aus China hart durchgesetzt werden, würde vor allem das iPhone getroffen und in den USA spürbar teurer werden. Gleichzeitig bedroht der Handelskrieg die Stellung von Apple in China. Die Volksrepublik ist für den iPhone-Hersteller ein riesiger Absatzmarkt. Allein im jüngsten Geschäftsquartal machte Apple in "Greater China" (inklusive Taiwan) 9,2 Milliarden US-Dollar Umsatz. Das entspricht 17 Prozent des Gesamtumsatzes. Sollte sich der Handelskrieg weiter verschärfen, könnten sich die Verbraucher in China schon aus patriotischen Gründen gegen Apple-Produkte entscheiden. Der von US-Sanktionen betroffene einheimische Rivale Huawei verbucht bereits Absatzsprünge.
Verwandte Themen