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Geheime Kommunikation im Chat

Das steckt hinter Dark Social

von - 22.01.2019
Nutzer schreibt am Notebook
Foto: Brian A Jackson / Shutterstock.com
Abseits von Google, Facebook, Twitter und Co. werden Web-Inhalte zumeist über direkte Nachrichten, E-Mails oder Chats geteilt - und dieser Traffic ist für Webseitenbetreiber nicht nachverfolgbar.
Der Begriff "Dark Social" wurde erstmals 2012 vom US-amerikanischen "The Atlantic"-Journalisten Alexis C. Madrigal verwendet. Er meinte damit das Gegenteil des sichtbaren Traffic, den Webseitenbetreiber mit Webanalyseprogrammen messen können, wenn Besucher über eine Google-Suche auf eine Seite kommen. Oder wenn sie auf einen Link auf Facebook oder Twitter klicken.

Was ist Dark Social?

Diese Kanäle gelten als dunkel, weil diese Form von sozialem Teilen von Inhalten (Sharing) von außen kaum nachvollziehbar ist. Beispielweise wenn ein Link über einen Online-Chat, eine persönliche E-Mail oder Messenger-Dienste wie WhatsApp oder Threema weitergegeben wird. Wenn eine Weiterleitung also nicht über eine Social-Media-Plattform verbreitet und damit verfolgbar weitergegeben wird.

Der Großteil wird über Dark Social geteilt

Die Werbespezialisten von RadiumOne (jetzt RhythmOne) haben in ihrer Studie "Dark Side of Mobile Sharing" behandelt, dass 84 Prozent des sozialen Teilens über Dark Social via E-Mail oder Instant Messaging stattfindet. Ähnliches beschrieb Alexis C.Madrigal ebenfalls schon 2012. Damals machten die nicht direkten Zugriffe auf "The Atlantic", die nicht zugeordnet werden konnten, 56,5 Prozent aus.

Laut Radium One reagieren Konsumenten am häufigsten auf Dark-Social-Links über ihre mobilen Geräte. 62 Prozent der Klicks kommt von mobilen Geräten wie Smartphones oder Tablets, die anderen 38 Prozent kommen von Desktops. Weiter heißt es, der Dark-Social-Traffic sei massiv gestiegen. Es ist anzunehmen, dass die Bedeutung weiterhin steigen wird.

Gesellschaftliche Bedeutung

Auf den ersten Blick mag diese persönliche Kommunikation harmlos klingen. Da sie schon länger den Großteil der Sharing-Kultur ausmacht, ist sie allerdings nicht zu unterschätzen. Seit 2017/2018 wird laut Wikipedia der Begriff auch mehr im sozialen beziehungsweise gesellschaftlichen Kontext betrachtet.

Der Austausch von Informationen und Links in persönlichen Mitteilungen sei insofern bedeutsam, "weil er praktisch unter Ausschluss dessen stattfindet, was klassisch als Öffentlichkeit gilt", schreibt die Süddeutsche Zeitung. In den dunklen Kanälen gebe es selbst bei hochpolitischen Themen kaum sichtbare politische Akteure, Menschen mit anderer Meinung oder gar politische Debatten.

Bei mehreren jüngeren Ereignissen, beispielsweise die Gelbwesten-Bewegung in Frankreich oder der Wahlsieg des Ex-Soldaten Jair Bolsonaros bei den Präsidentschaftswahlen in Brasilien, sollen öffentlich nicht einsehbare Chat-Gruppen eine große Rolle gespielt haben.
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