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Mobile Payment

Macht Google Pay Bargeld überflüssig?

von - 13.09.2018
Mobile Payment
Foto: Mathias Vietmeier
Auch in Deutschland stehen die Bezahlverfahren vor einem tief greifenden Wandel. Aber haben Mobile-Payment-Lösungen wie Google Pay wirklich das Zeug dazu, Bargeld zu verdrängen?
Nun also auch Google: Nach vielen ähnlichen Angeboten kann man jetzt auch in Deutschland mit Google Pay bezahlen – und damit bargeldlos und sogar kontaktlos. Was man dazu braucht? Natürlich einen Vertrag mit Google, eine Google-App auf seinem Android-Smartphone und last, but not least Verkäufer und Banken, die dabei mitmachen.
Der Eintritt von Google Pay in diesen Markt wird grundsätzlich dadurch erleichtert, dass auch in Deutschland inzwischen viele Kassen-Terminals kontaktloses Bezahlen mit NFC (Near Field Communication) unterstützen. Und bei Online-Einkäufen kann Google Pay offenbar auf sämtliche im Umlauf befindlichen Kreditkarten zurückgreifen.

Was den Boom bremst

Ein Selbstläufer wird Mobile Payment aber auch mit Google Pay nicht. Denn es gibt auch Hürden, die einer massenhaften Verbreitung im Wege stehen. Neben NFC-fähigen Kassen braucht es nämlich ein Android-Handy ab Betriebssystem 5.0, einen eingebauten NFC-Chip und eine Bankverbindung, die Google Pay akzeptiert. Gerade an Letzterem hapert es, denn bisher sind nur wenige Banken mit im Boot. Viele Institute haben sich bereits auf andere Bezahlsysteme festgelegt, die Konkurrenz ist groß.
Erschwerend für Google Pay und andere Neuankömmlinge im Bezahlwesen kommt hinzu, dass die traditionellen Kreditkarten zunehmend ebenfalls mit einem NFC-Chip ausgestattet sind. Warum sich also auf ein neues System einlassen? Und für den gleichen Komfort noch einmal extra bezahlen?

Stirbt das Bargeld wirklich?

Den weltanschaulichen Hintergrund zu den diversen Aktivitäten bildet die Aussage, dass mit Bezahlmethoden wie Goo­gle Pay Cash überflüssig werden würde. Das lässt sich mit Zahlen belegen. Vor allem in einigen Entwicklungsländern ist aufgrund der IT-gestützten neuen Bezahlmethoden der Bargeldumlauf drastisch zurückgegangen. Und in einem besonders fortschrittlichen Land wie Schweden werden nur noch 19 Prozent aller Zahlungen bar ausgeführt. Europaweit, so berichtete die „Financial Times“ vor Kurzem, sind es jedoch nach wie vor etwa 80 Prozent aller Einkäufe, die mit Bargeld bezahlt werden.
Die Zurückhaltung dürfte hauptsächlich zwei Gründe haben: Zum einen spart man beim Bezahlen mit echtem Geld die sonst fälligen Abgaben an die Karten- und Service-Anbieter und zum anderen muss man keinen Missbrauch der persönlichen Identitätsdaten befürchten. Denn Bezahl-Terminals und das Internet sind keineswegs sicher. Allein die Zahl der bekannt gewordenen Diebstähle bei Banken, Kreditkartenorganisationen oder Online-Sites wie Facebook ist kaum noch zu überschauen.
All das sind Indikatoren dafür, dass es am Ende des Tages nach wie vor um das gute alte Geld geht. Denn alle Karten und sonstigen Bezahlweisen sind letztlich doch nichts als andere Formen von Geld. Und dieses Geld muss irgendwo tatsächlich vorhanden sein, spätestens am Monatsende will es auch der Kreditkartengeber sehen. Alle IT-gestützten Veränderungen oder Verbesserungen der Prozesse beim Tausch von Waren und Dienstleistungen gegen Geld haben daran prinzipiell nichts geändert.
Solange das Internet nicht sicher ist, hat das Bargeld auf jeden Fall gute Überlebenschancen. Und ob Google, Apple & Co. dieses Problem jemals in den Griff bekommen und das volle Vertrauen der Anwender gewinnen werden, ist offen.
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